Man kann nie genug gute Werkzeuge haben

von Frederike
Highway und Strand

Eine AirBnB Begegnung und ein Gespräch mit meinem Dad, die den Wert der Gelassenheit und die Notwendigkeit guter Werkzeugen benennt.

Für Montag Nachmittag ist mein Zug zurück nach Berlin gebucht. Doch zum Glück fällt dieser aus und somit auch meine Zugbindung. Ich kann jeden x-beliebigen Zug nehmen. Freiheit! Das gefällt mir.

Also genieße ich den Morgen, schreibe, coache und packe langsam meine Sachen. Um 15 Uhr klopft Angelika, meine AirBnB Gastgeberin, an die Tür. „So richtig habe ich noch keine Lust los“, sage ich. „Es ist wunderschön hier unter dem Dach und ich genieße die Ruhe.“
„Ich kann auch später wiederkommen“, bietet sie sofort an. „Ich habe erst morgen wieder Gäste.“
“Alles gut. Danke. Ich gehe gleich noch gemütlich einen Kaffee in der Sonne trinken und dann langsam zum Bahnhof. Ich fühle mich wieder so frei, habe wieder so viel innere Ruhe und Gelassenheit, dass ich einfach in den Tag hinein lebe und arbeite. Das hatte ich schon lange nicht mehr.“

Wir kommen ins Gespräch über meine Arbeit als Coach und was durch eine Änderung von Energie möglich wird sowie über meine Erfahrungen einer VegetoDynamik Behandlung bei Frau Pilsberger am Wochenende.

„Komm, wenn du Zeit hast, dann setzen wir uns doch noch kurz. Ich muss nur noch meine Sachen packen für unseren Motorradurlaub nächste Woche, aber das mache ich später in Ruhe.“

Wir setzen uns in die Sonne ans Fenster. Die Augen der vielleicht Mittfünfzigerin mit den grauen Haaren sind klar, sie strahlen, während sie von ihrem bevorstehenden Urlaub in Andalusien erzählt.

Es ist ein Augenblick, den das Leben schreibt. Es zählt nur der Moment und es fühlt sich lebendig an, ehrlich.

Der Weg ist das Ziel

Sie erzählt mir von ihrem Projekt, zusammen mit ihrem Freund ein Feuerwehrauto auszubauen und damit wegzufahren. Ich bin sofort Feuer und Flamme. Solche Ideen lassen mein Hippie-Herz höher schlagen. „Die Kreativität und das Basteln gibt mir Energie. Allein schon die Vorstellung, Planung und der Ausbau geben mir so viel Freude, dass der Rest irgendwie nicht so wichtig ist. Einige meiner Bekannten haben Bedenken: ‚was ist, wenn ihr liegen bleibt? Das Auto einfach nicht mehr weiterfährt? Einen Totalschaden hat? Dann ist alles umsonst.‘ Doch ich weiß für mich ganz genau, dass der Weg das Ziel ist. Ja, vielleicht bleiben wir mit so einem alten Auto liegen, doch die Magie passiert doch schon viel früher. Es ist der ganze Prozess dieses Projekts.“

„Hattest du diese Gelassenheit schon immer?“ frage ich sie.

Eine kleine Geschichte

„Meine Mutter war auch sehr gelassen und ich habe meine Gelassenheit durch Werkzeuge, die ich in einer Kur kennengelernt habe, wiedererlangt. Ich bin in der Sylvesternacht an einen kleinen Fluss gegangen, habe mich dorthin gesetzt und drei Zigaretten geraucht. Ich rauche normalerweise nicht“, wirft sie schnell hinterher. „Ich beobachtete ein kleines Stöckchen, was sich im Wasser verhedderte und nicht weiter kam. Sofort wollte ich es wieder befreien, aber ich wartete ab. Das Wasser des Flusses floss immer weiter. Nach einiger Zeit befreite sich das Stöckchen von selbst wieder und floss weiter.“ Sie macht einen Moment Pause. „Das war für mich so eine große Erkenntnis. Es ist wie das Leben. Manchmal hakt es einfach, ein Gefühl, das es nicht weitergeht, und dann auf einmal, geht es doch irgendwie weiter. Egal, was kommt, es geht immer weiter. Das hat mich Gelassenheit gelehrt.“

So angenehm wie Angelika es erzählt, so mehr glaubt man ihr, dass sie es auch lebt.

„Das ist ein schönes Bild und ja, so ist es tatsächlich. Ich habe mir irgendwann passende Werkzeuge und Methoden gesucht, die mich unterstützen, wieder in den Fluss zu kommen oder mich auch Gelassenheit lehren, wenn es gefühlt nicht weiter geht.“

Wir schweifen ab, philosophieren über Gott und die Welt, über Schicksalschläge, deren Lehren, über Freude, Lebendigkeit, über das Leben an sich

„So, jetzt habe ich langsam Lust zu gehen“, sage ich und stehe auf.

Zum Abschied umarmen wir uns. „Du bist der erste Gast, den ich umarme“, sagt Angelika und freut sich. Ich muss grinsen und erwidere selbstbewusst und offen, dass ich mir das gut vorstellen kann.

„Hier, hast du nicht Lust, etwas aus meiner Schmuckvitrine mitzunehmen? Ich bastel das selbst und möchte dir gerne etwas schenken.

Ich bin gerührt und suche mir einen silbernen Armreifen aus. Er ist etwas zu groß, doch es stört mich nicht. Er erinnert mich an die Zeit in Nürnberg, die Behandlung bei Frau Pilsberger und das Gefühl der Ganzheit.

Völlig gelassen mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof, entdecke ein Buch von Bodo Schäfer über Erfolg und ein erfülltes Leben, stecke es ein und telefoniere auf dem Bahnsteig noch mit meinen Eltern.

„Weißt du, wie abgefahren dieses Gefühl der Ganzheit war?!“ sage ich rhetorisch zu meinem Dad. „Das war wirklich unglaublich und vor allem ist es meinem Herzen entsprungen. Es hat kein anderer etwas hinzugepackt, sondern es kam ganz allein aus mir heraus. Es war schon die ganze Zeit in mir drin.Ich habe es nur nicht gefühlt.“ Ich bin noch immer überwältigt von dieser Erfahrung und diesem Gefühl.

Der ICE nach Berlin fährt langsam ein, es wird laut am Bahnsteig.

„Und weißt du, was noch?!“ Auch diesmal warte ich nicht auf seine Antwort. Ich bin zu euphorisch. „Ich schreibe wieder, einfach so, aus meiner Freude heraus. Ich berichte wieder über das, was ich erlebe und was durch solche Methoden möglich wird. Ich nehme mir die Zeit für mich, fürs Schreiben. Ich bin wieder kreativ. Das ist genau das, was ich machen möchte und was ich leben möchte. Inspirieren, zeigen, begeistern, berichten, dokumentieren. Es ist doch so viel mehr möglich, als wir uns vorstellen können.“ Die Sätze rauschen aus mir heraus.

Während ich meinem Dad davon erzähle, steige ich den fast leeren Zug und suche mir einen Platz.

„Wie schön, kleiner Bär“, erwidert er. „Das freut mich wirklich sehr. Und du hast so Recht, es ist alles in uns drin.“ Er erzählt weiter „Als Max noch den Werkzeugladen hatte und ich regelmäßig zu ihm gegangen bin, habe ich mir fast immer ein neues Werkzeug gekauft. Und genauso ist es mit deinen Methoden und Techniken. Wenn man mit dem einen nicht weiterkommt, lernt man etwas Neues…“ Er macht eine kurze Pause „…oder man kauft sich einfach ein neues Werkzeug.“ Ich höre ihn grinsen, als er den Satz beendet. „Eine schöne Metapher.“ Ich freue mich mit ihm.

„Man kann nie genug Werkzeuge haben“, philosophiert er. „Und für unterschiedliche Anlässe braucht man unterschiedliche Werkzeuge.“

Ich pflichte ihm bei und wir schnacken noch kurz über die nächsten Tage und beenden das Gespräch mit der Vorfreude auf einen persönlichen Austausch, wenn ich das nächste Mal in der Heimat bin.

Die Trillerpfeife des Schaffners ertönt, die Türen schließen und es geht zurück nach Berlin. Doch bevor ich meine Kopfhörer aufsetze und den Blick zugromantisch nach draußen schweifen lasse, wechsle ich den Platz. Neben mich hat sich jemand gesetzt, dessen Geruch nicht zum Aushalten ist.

Ich lasse das Gespräch mit meinem Dad noch einmal Revue passieren und schreibe ihm per Nachricht eine Ergänzung: „Man kann nie genug GUTE Werkzeuge haben. Fühl dich gedrückt.“

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